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Medikamente über die Sonde geben

Über eine PEG oder eine andere Ernährungssonde Medikamente zu geben, ist eine der fehleranfälligsten Tätigkeiten im Pflegealltag. Zwei Fehler kommen besonders häufig vor: alles gemeinsam mörsern und zu sparsam spülen. Das eine verändert die Wirkung, das andere verstopft die Sonde. Diese Seite zeigt den Ablauf, der beides vermeidet.

Nie mehrere Medikamente zusammen mörsern Jedes Präparat wird einzeln zerkleinert, einzeln aufgeschlämmt, einzeln gegeben. Werden mehrere Mittel gemeinsam zermahlen und in einer Spritze gemischt, können sie verklumpen, sich gegenseitig beeinflussen und die Sonde dauerhaft verstopfen. Fachlich gilt das Mischen zudem als Herstellung eines neuen Arzneimittels – dafür fehlt die Grundlage.

Die vier Regeln

  1. Einzeln geben. Ein Medikament, eine Spritze, dazwischen spülen.
  2. Großzügig spülen. Vor der ersten und nach der letzten Gabe mit mindestens 30 ml stillem Wasser, viele Hausstandards nennen 50 ml. Zwischen den einzelnen Präparaten reichen 10 bis 20 ml.
  3. Nicht mit der Sondenkost mischen. Die Nahrung verändert pH-Wert und Konzentration, die Aufnahme wird unberechenbar. Die Nahrungszufuhr wird für die Medikamentengabe unterbrochen.
  4. Flüssiges zuerst. Erst die Tropfen und Lösungen, danach die aufgeschlämmten Tabletten – die fließen langsamer und hinterlassen eher Reste.
Stilles Wasser, nichts anderes

Kein Mineralwasser mit Kohlensäure, kein Tee, kein Saft. Kohlensäure kann Wirkstoffe ausfällen, saure Getränke lassen manche Suspensionen verklumpen. Zum Spülen eignet sich stilles Wasser bei Zimmertemperatur.

Der Ablauf Schritt für Schritt

  1. Oberkörper hochlagern, 30 bis 45 Grad – während der Gabe und noch etwa eine halbe Stunde danach. Das ist Aspirationsprophylaxe, keine Bequemlichkeit.
  2. Hände desinfizieren, Material richten: Spritzen, Mörser, Becher mit stillem Wasser.
  3. Sondenkost unterbrechen und die Sonde mit mindestens 30 ml spülen.
  4. Erstes Präparat vorbereiten – flüssige Form zuerst. Tabletten einzeln mörsern und in 15 bis 30 ml Wasser aufschlämmen, bis keine Klümpchen mehr zu sehen sind.
  5. Mit vorsichtigem Druck geben. Kraft hilft hier nicht – bei Widerstand lieber stoppen und nachspülen.
  6. Zwischen jedem Präparat mit 10 bis 20 ml spülen.
  7. Nach dem letzten Präparat erneut großzügig spülen, damit nichts in der Sonde zurückbleibt.
  8. Sondenkost wieder anschließen – bei einzelnen Wirkstoffen erst nach einer Pause, siehe unten.
  9. Dokumentieren: Gabe, Uhrzeit, Spülmenge und alles, was auffiel.
💡 Bei dünnen Sonden – etwa Dünndarmsonden mit kleinem Durchmesser – muss besonders fein zerkleinert und besonders gründlich gespült werden. Je enger das Lumen, desto schneller sitzt ein Rest fest.

Was in die Sonde darf

Dieselbe Frage wie beim Mörsern überhaupt, nur strenger: Nicht jede Tablette darf zerkleinert werden. Für die Sonde kommt hinzu, dass sich das Präparat gleichmäßig aufschlämmen lassen muss.

Wenn die Sonde verstopft

Warum das so oft passiert: Nicht wegen eines groben Fehlers, sondern weil im Frühdienst die Zeit fehlt. Fünf Präparate einzeln mörsern, aufschlämmen und dazwischen spülen dauert länger als alles zusammen in einen Becher. Wer den Ablauf nicht schafft, sollte das ansprechen – nicht abkürzen.

Die Frage davor: Braucht es die Sonde?

Eine PEG erleichtert die Medikamentengabe – aber sie ist keine Antwort auf nachlassenden Appetit. Bei fortgeschrittener Demenz ist die Anlage einer PEG in der ärztlichen Leitlinie ausdrücklich nicht empfohlen. Was stattdessen zählt: sorgfältige Mundpflege, Essen in Ruhe und in vertrauter Umgebung, Zeit beim Anreichen.

Wo eine Sonde bereits liegt, ist das kein Rückschritt, sondern eine Entscheidung, die regelmäßig überprüft gehört – gemeinsam mit Arzt, Angehörigen und Betreuer. Mehr dazu unter Palliativpflege, Demenz und Mangelernährung.

Passend dazu

Tabletten teilen und mörsern · Medikamente im Alter · Mangelernährung · Palliativpflege · Prophylaxen · Video: PEG-Sonde

💡 Wer die Sondengabe zum ersten Mal übernimmt, sollte sie sich zeigen lassen und einmal unter Anleitung durchführen. Der Pflegedienst ist zur Anleitung von Angehörigen verpflichtet – fragen kostet nichts, und niemand erwartet, dass man es aus einem Merkblatt lernt.

Quellen

Neben meiner Erfahrung aus über 20 Jahren Altenpflege beruht diese Seite auf den folgenden Fachquellen. Die Links führen zum jeweiligen Original.

  1. ESPEN practical guideline: Home enteral nutrition – Bischoff S. C. et al., Clinical Nutrition 2022;41:468–488
  2. Arzneimittel und Nahrung per Sonde – Pharmazeutische Zeitung
  3. S3-Leitlinie Demenzen – DGN und DGPPN, AWMF-Register 038-013, Living Guideline, laufend aktualisiert (zuletzt 2026). Hier: Empfehlungen zur Sondenernährung bei fortgeschrittener Demenz

Tobias Hoffmann – examinierter Pfleger, seit über 20 Jahren in der Altenpflege, Praxisanleiter und Qualitätsbeauftragter. Mehr über mich und woher die Inhalte kommen

Stand: Oktober 2026. Verbindlich ist der Standard der eigenen Einrichtung und die ärztliche Anordnung im Einzelfall.