Pflegeplanung formulieren – der Baukasten
Der Baukasten setzt keine Pflegeplanung für Sie zusammen. Er gibt den Satzbau vor – Problem nach PESR, Ziel mit Frist, Maßnahmen mit Zeitangabe – und prüft anschließend, was an Ihrer Formulierung noch fehlt. Die Beobachtung müssen Sie selbst eintragen. Genau das ist der Punkt.
Der Baukasten
Schritt für Schritt
Auswählen, eigene Beobachtung eintragen – der Text entsteht beim Tippen mit und bleibt dabei sichtbar. Er ist frei bearbeitbar.
Dieses Feld kann Ihnen niemand abnehmen. Ohne Datum, Häufigkeit oder Messwert bleibt die Planung austauschbar.
Bei fortschreitenden Erkrankungen ist ein Erhaltungsziel fachlich richtig – und in der Palliativversorgung zählt das Wohlbefinden allein.
Ihre Formulierung
Die neun Prüffragen
Der Check oben stellt neun Fragen an Ihren Text. Sie funktionieren auch ohne den Baukasten – an jeder Planung, die Sie vor sich haben:
- Steht ein Symptom da? Seit wann, wie oft, welcher Messwert. „Ist sturzgefährdet“ allein ist keine Aussage.
- Ist eine Ressource benannt? Ohne sie plant man Übernahme statt Anleitung – und das ist der Unterschied zwischen versorgender und aktivierender Pflege.
- Hat das Ziel ein Datum? Ohne Termin lässt es sich nicht evaluieren, und was nicht evaluiert wird, ist Papier.
- Beschreibt das Ziel den Menschen? „Wird mobilisiert“ beschreibt uns. „Geht bis 30.11. mit dem Rollator zur Toilette“ beschreibt ihn.
- Sind es mindestens drei Maßnahmen? Ein Problem, das eine einzige Maßnahme trägt, war meist keins.
- Sagt jede Maßnahme, wann oder wie oft? Der Praxistest: Kann eine Kollegin aus einem anderen Wohnbereich damit allein zurechtkommen?
- Steht bei jeder Maßnahme, wer sie tut? Was allen gehört, macht am Ende niemand.
- Stehen unbestimmte Wörter drin? „Regelmäßig“, „bei Bedarf“, „ausreichend“, „engmaschig“ – jedes davon vertritt eine Angabe, die fehlt.
- Steht ein Klarname im Text? In der Dokumentation gehört er hin, in der Zwischenablage und in Ihrer Prüfungsmappe nicht.
Warum Sie das nicht abschreiben sollten
Die Textbausteine hier zeigen die Form, nicht den Inhalt Ihrer Planung. Ein übernommener Baustein fällt in jeder Prüfung auf – und er schadet dem Menschen, um den es geht, weil er über ihn nichts aussagt.
- Ursache angeklickt, Symptomfeld leer gelassen
- Frist auf den Vorschlag stehen lassen, ohne zu überlegen, ob vier Wochen passen
- alle acht Maßnahmen angehakt, weil es vollständiger aussieht
- Symptom mit Datum, Häufigkeit und Messwert aus Ihrer eigenen Beobachtung
- Frist danach gewählt, wann sich realistisch etwas zeigen kann
- drei bis fünf Maßnahmen, die auf diesem Wohnbereich tatsächlich laufen
- Ressource aus dem Gespräch, nicht aus der Liste
Was der Baukasten nicht kann
- Er kennt Ihren Bewohner nicht. Jede vorgeschlagene Ursache, jede Ressource ist eine Möglichkeit, keine Feststellung.
- Er ersetzt kein Einschätzungsinstrument. Braden, Norton, NRS, Barthel und die strukturierte Informationssammlung bleiben, wo sie sind.
- Er prüft die Sprache, nicht die Pflege. Ein sauber formuliertes Ziel kann fachlich falsch sein. Der Check merkt das nicht.
- Er ist kein Ersatz für die Absprache im Team. Eine Maßnahme, die im Nachtdienst niemand leisten kann, steht besser nicht in der Planung.
- Er deckt nicht jedes Problem ab. Zwölf häufige Felder sind hinterlegt. Alles andere schreiben Sie nach demselben Muster selbst.
Woran es in der Prüfung scheitert
Nach meiner Erfahrung als Praxisanleiter sind es fast immer dieselben vier Dinge:
- Das Ziel beschreibt die Pflege. Der häufigste Fehler überhaupt. Prüfen Sie jeden Zielsatz mit der Frage: Steht hier eine Aussage über den Menschen – oder über uns?
- Die Ressource fehlt. Dann folgt aus dem Problem zwangsläufig Übernahme, und die Planung wird zur Defizitliste.
- Die Maßnahmen sind zu allgemein. „Auf Trinken achten“ ist keine Maßnahme, sondern eine Absichtserklärung.
- Es fehlt die Evaluation. Der Baukasten endet beim Plan. Der Prozess endet erst, wenn Sie bewerten, ob es gewirkt hat – und was daraus folgt.
Lesen Sie Ihre Planung so, als hätten Sie den Menschen nie gesehen. Wenn Sie danach wissen, was Sie um 6 Uhr tun müssen, stimmt sie.
Passend dazu
Pflegeplanung – der ganze Weg mit Beispiel · PESR-Schema mit Beispielen · Pflegeziele formulieren · SIS & Dokumentation · Expertenstandards · Prophylaxen · Prüfungsvorbereitung · Prüfungssimulation · Glossar A–Z
Quellen
Neben meiner Erfahrung aus über 20 Jahren Altenpflege beruht diese Seite auf den folgenden Fachquellen. Die Links führen zum jeweiligen Original.
- Pflegeplanung. Eine Anleitung für die Praxis – Fiechter V. und Meier M., Recom, erstmals 1981 – Grundlage des sechsschrittigen Pflegeprozesses
- Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege – DNQP, 2. Aktualisierung 2017
- Expertenstandard Sturzprophylaxe in der Pflege – DNQP, 2. Aktualisierung 2022
- Expertenstandard Schmerzmanagement in der Pflege – DNQP, Aktualisierung 2020
- Expertenstandard Ernährungsmanagement zur Sicherung und Förderung der oralen Ernährung in der Pflege – DNQP, 1. Aktualisierung 2017
- Expertenstandard Kontinenzförderung in der Pflege – DNQP, Aktualisierung 2024
- Expertenstandard nach § 113a SGB XI „Erhaltung und Förderung der Mobilität in der Pflege“ – DNQP im Auftrag des Qualitätsausschusses Pflege, Aktualisierung 2020
Tobias Hoffmann – examinierter Pfleger, seit über 20 Jahren in der Altenpflege, Praxisanleiter und Qualitätsbeauftragter. Mehr über mich und woher die Inhalte kommen