Pflege – kurz und leicht erklärt

Verständliches Wissen rund um Pflege, Krankheit und Alter

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Pflegeziele formulieren – mit Beispielen

An einem guten Pflegeziel lässt sich später ablesen, ob die Pflege gewirkt hat. Diese Seite zeigt, was SMART wirklich bedeutet, wie Nah- und Fernziele zusammenhängen, welche Zielarten es gibt und wie man ein Ziel messbar macht – mit vierzehn Beispielen und einer Anleitung für die Evaluation.

Ein Ziel beschreibt den Menschen – nicht die Pflege

Ein Pflegeziel ist der Zustand oder das Verhalten, das beim pflegebedürftigen Menschen erreicht werden soll. An ihm wird später gemessen, ob die Maßnahmen gewirkt haben. Deshalb steht im Ziel der Mensch mit seinem Zustand oder Verhalten im Mittelpunkt – nie die Tätigkeit der Pflegekraft. Ziele können auch Bezugspersonen betreffen, etwa in der häuslichen Pflege.

Als Satzmuster:

[Wer] [tut oder hat was] [in welchem Maß] bis [wann]; Überprüfung [wie oft, womit].

Die Probe: Lesen Sie das Ziel und fragen Sie: Steht hier, was mit Frau C. passieren soll – oder was wir tun? „Frau C. wird mobilisiert“ beschreibt die Pflege. „Frau C. geht bis 30.11. mit dem Rollator allein zum Speisesaal“ beschreibt Frau C.

Das Ziel ergibt sich aus dem Problem, sauber beschrieben nach dem PESR-Schema. Und es wird mit dem Menschen abgestimmt: Die Prüfungsverordnung verlangt, die Gestaltung des Pflegeprozesses mit den zu pflegenden Menschen und gegebenenfalls ihren Bezugspersonen auszuhandeln und die Wirksamkeit der Pflege gemeinsam zu evaluieren.

SMART – und woher es kommt

Im deutschsprachigen Pflegeunterricht ist diese Lesart verbreitet:

Gut zu wissen: SMART kommt nicht aus der Pflege, sondern aus dem Management. Als frühester bekannter Beleg gilt ein Artikel von George T. Doran, 1981 in der Zeitschrift Management Review. Bei ihm stand das A für assignable – also: Wer ist zuständig? Dass das A in der Pflege meist für „akzeptiert“ steht, ist kein Zufall: Ein Ziel, das der Mensch nicht will, wird er nicht erreichen. Deshalb kursieren auch andere Lesarten wie „attraktiv“, „angemessen“ oder im Englischen „action-oriented“. Wichtiger als das Wort ist, dass alle fünf Fragen beantwortet sind.

Nahziel und Fernziel

Große Ziele erreicht man in Etappen. Das Fernziel beschreibt, wo es insgesamt hingehen soll. Die Nahziele sind die Zwischenschritte dorthin – jedes für sich überprüfbar.

Fernziel: Frau K. geht bis 31.12. mit dem Rollator allein und ohne Pause zum Speisesaal (etwa 40 Meter).
Nahziel 1: Frau K. geht bis 31.10. mit Begleitung vom Bett bis zur Zimmertür und zurück (etwa 10 Meter).
Nahziel 2: Frau K. geht bis 30.11. mit Begleitung bis zum Speisesaal, mit höchstens einer Pause.

Wie lang „nah“ und „fern“ sind, hängt vom Rahmen ab. Auf der Intensivstation kann ein Nahziel eine Schicht umfassen, in der Langzeitpflege sind es nach meiner Erfahrung meist Wochen. Es gibt dafür keine feste Frist – entscheidend ist, dass der Zeitraum zum Menschen und zur Maßnahme passt.

Nicht jedes Ziel heißt „besser werden“

In der Altenpflege ist Verbesserung oft nicht das Realistische. Ein Ziel, das „gleich bleiben“ oder „langsamer schlechter werden“ heißt, ist dann fachlich richtig – und kein Zeichen von Resignation.

Zielarten in der Pflegeplanung mit je einem Beispiel.
ZielartPasst, wenn …Beispiel
Verbesserungeine Fähigkeit zurückgewonnen werden kann„Herr B. zieht sich bis 15.11. das Oberteil allein an.“
Erhaltungdas Erreichte gesichert werden soll„Frau J. isst weiterhin selbstständig mit Besteck; Überprüfung monatlich.“
Verzögerungeine Erkrankung fortschreitet„Frau T. behält bis 31.12. die jetzige Beweglichkeit im rechten Knie.“
Vermeidungein Risiko besteht, das Problem aber noch nicht da ist„Die Haut von Herrn Z. an Kreuzbein und Fersen bleibt bis 31.10. intakt.“
Bewältigungeine Einschränkung bleibt und der Umgang damit gelernt wird„Herr L. wendet bei Atemnot die Lippenbremse bis 30.11. von sich aus an.“
WohlbefindenHeilung nicht mehr das Ziel ist, etwa am Lebensende„Frau O. wirkt bei der Mundpflege entspannt: ruhiger Gesichtsausdruck, keine abwehrenden Bewegungen; Überprüfung wöchentlich.“

Am Lebensende zählt, was dem Menschen jetzt guttut – mehr dazu unter Palliativpflege.

So wird ein Ziel messbar

„Messbar“ heißt nicht, dass alles eine Zahl braucht. Es heißt: Zwei Pflegekräfte kommen beim Überprüfen zum selben Ergebnis. Dafür gibt es mehrere Wege:

Bei Menschen mit Demenz ersetzen Beobachtungen oft die Aussage: Statt „fühlt sich sicher“ eher „geht ruhig mit zum Bad, ohne sich festzuhalten oder zu rufen“.

Vierzehn Ziele – vorher und nachher

Alle Namen sind erfunden. Werte und Fristen müssen immer zum Menschen passen und aus Ihrer eigenen Einschätzung stammen – bei Trinkmengen etwa gilt bei Herzschwäche oder Nierenerkrankung die ärztliche Vorgabe.

Typische unbrauchbare Zielformulierungen, was daran nicht stimmt, und eine bessere Fassung.
VorherWas nicht stimmtBesser
„Ausreichende Flüssigkeitszufuhr“Wer? Wie viel? Bis wann?„Herr B. trinkt bis 31.10. täglich mindestens 1.300 ml; Auswertung des Trinkprotokolls jeden Freitag.“
„Frau H. ist schmerzfrei“Bei Arthrose meist nicht realistisch„Frau H. gibt beim Aufstehen bis 15.11. höchstens die Schmerzstärke an, die sie selbst als erträglich nennt (derzeit 3).“
„Bewohnerin wird zum Essen motiviert“Das ist eine Maßnahme„Frau L. isst bis 30.11. mittags an fünf von sieben Tagen mindestens die Hälfte der Portion.“
„Herr S. ist orientiert“Bei fortgeschrittener Demenz nicht erreichbar„Herr S. findet bis 30.11. mithilfe des Türschilds an vier von sieben Tagen allein vom Speisesaal in sein Zimmer.“
„Kein Sturz“Ohne Frist; hängt nicht nur vom Menschen ab„Herr W. klingelt bis 30.11. nachts vor dem Aufstehen und geht mit Rollator zur Toilette; Überprüfung wöchentlich.“
„Hautzustand verbessert sich“Nicht messbar„Die nicht wegdrückbare Rötung an der rechten Ferse von Frau N. ist bis 20.10. abgeheilt; Überprüfung täglich bei der Hautkontrolle.“ Eine solche Rötung ist bereits ein Dekubitus der Kategorie 1 – vollständige Druckentlastung und ärztliche Information gehören dann in die Maßnahmen.
„Kontinenz fördern“Maßnahme, kein Ziel„Herr M. geht bis 30.11. tagsüber nach Toilettenplan und bleibt dabei an fünf von sieben Tagen trocken.“
„Frau T. akzeptiert Hilfe“Unklar, welche Hilfe und woran man es merkt„Frau T. lässt sich bis 31.10. mindestens einmal pro Woche beim Duschen den Rücken waschen.“
„Mobilität erhalten“Was genau soll erhalten bleiben?„Frau V. geht weiterhin zweimal täglich mit Rollator zum Speisesaal; Überprüfung monatlich.“
„Angehörige werden informiert“Tätigkeit der PflegeHäusliche Pflege: „Die Tochter von Frau P. misst bis 15.11. den Blutzucker ihrer Mutter selbst richtig und trägt den Wert ein.“
„Atemnot reduzieren“Woran erkennt man weniger Atemnot?„Herr L. geht bis 30.11. mit Lippenbremse die 15 Meter zur Toilette mit höchstens einer Pause.“
„Obstipationsprophylaxe“Das ist eine Maßnahmengruppe„Frau R. hat bis 31.10. mindestens alle drei Tage weichen Stuhlgang, ohne stark pressen zu müssen“ – als Zwischenziel bei bisher vier bis fünf Tagen.
„Herr P. schläft besser“Nicht messbar„Herr P. klingelt bis 30.11. an fünf von sieben Nächten höchstens einmal und ist beim Frühstück wach.“
„Wohlbefinden steigern“Woran sieht man es?„Frau O. wirkt bei der Mundpflege entspannt: ruhiger Gesichtsausdruck, keine abwehrenden Bewegungen; Beobachtung täglich.“

Mehr Beispiele mit Problem, Ziel und Maßnahmen im Zusammenhang stehen auf der Seite Pflegeplanung.

Vom Ziel zur Maßnahme

Die Maßnahme ist der Weg zum Ziel. Sie entsteht aus zwei Fragen: Was braucht der Mensch, um das Ziel zu erreichen? Und: Welche seiner Ressourcen nutzen wir dafür?

Ziel: Herr L. geht bis 30.11. mit Lippenbremse die 15 Meter zur Toilette mit höchstens einer Pause.
Ressource: kennt die Lippenbremse, will allein gehen.
Maßnahme: Vor jedem Toilettengang am Vormittag an die Lippenbremse erinnern und die ersten Schritte gemeinsam atmen – Bezugspflegekraft im Frühdienst; Stuhl auf halber Strecke im Flur als Rastplatz bereitstellen; Pausen im Bericht notieren, wenn es mehr als eine war.

Jede Maßnahme braucht Wer, Was, Wann, Wie und Womit – ausführlich unter Maßnahmen.

Evaluation: erreicht, teilweise, nicht – und dann?

Bei der Evaluation wird das Ziel mit dem verglichen, was tatsächlich eingetreten ist. Die Bewertung allein reicht nicht – entscheidend ist, was daraus folgt.

Die drei möglichen Ergebnisse einer Evaluation und was jeweils daraus folgt.
ErgebnisWas daraus folgt
ErreichtMaßnahme beenden, wenn das Problem gelöst ist – oder als Erhaltungsziel weiterführen, wenn es ohne Maßnahme wiederkäme
Teilweise erreichtPrüfen, ob die Richtung stimmt: Frist verlängern oder ein Zwischenziel einziehen
Nicht erreichtNach der Ursache suchen – siehe die fünf Fragen unten – und Ziel oder Maßnahme ändern

Fünf Fragen, wenn ein Ziel nicht erreicht wurde

  1. War das Ziel realistisch? Vielleicht war es zu hoch oder die Frist zu kurz.
  2. Wollte der Mensch es? Ein Ziel, das nicht abgestimmt war, scheitert oft daran.
  3. Wurde die Maßnahme so durchgeführt wie geplant? In allen Schichten, zu den geplanten Zeiten?
  4. War die Maßnahme geeignet? Manchmal wirkt sie einfach nicht – dann braucht es eine andere.
  5. Hat sich der Zustand verändert? Ein Infekt, ein Sturz, eine neue Medikation – dann muss neu eingeschätzt werden.

So klingt eine brauchbare Evaluation

Wann evaluiert wird: zum geplanten Termin – und immer dann, wenn sich etwas ändert, etwa nach einem Sturz, einem Krankenhausaufenthalt oder bei neuer Medikation. Das Projektbüro EinSTEP empfiehlt, die Termine im Einzelfall festzulegen, statt nach starrem Kalender zu evaluieren.

Ziele und SIS

Im Strukturmodell mit der SIS gibt es keine eigene Spalte für Pflegeziele. Laut Projektbüro EinSTEP ergeben sich die Ziele dort aus der Einschätzung in der SIS zusammen mit den Maßnahmen und der Verständigung mit dem Menschen. Evaluiert wird trotzdem: Die Ausgangslage wird mit der aktuellen Situation verglichen.

Wer klar formulierte Ziele im Kopf hat, schreibt auch bessere Maßnahmenpläne und Berichte. Und in der Ausbildung und Prüfung werden ausdrücklich formulierte Ziele weiterhin geübt – was genau verlangt wird, legt die Pflegeschule fest.

Merksatz: Ein Ziel ist gut, wenn zwei Kolleginnen beim Überprüfen zum selben Ergebnis kommen – und wenn der Mensch, um den es geht, es selbst will.

Häufige Fragen

Was bedeutet SMART bei Pflegezielen?

In der Pflege meist: spezifisch, messbar, akzeptiert, realistisch und terminiert. Ein Ziel ist also genau beschrieben, überprüfbar, vom Menschen gewollt, für ihn erreichbar und mit einem Datum für die Überprüfung versehen.

Was ist der Unterschied zwischen Nahziel und Fernziel?

Das Fernziel beschreibt, wo es insgesamt hingehen soll. Nahziele sind die überprüfbaren Zwischenschritte dorthin. Wie lang die Zeiträume sind, hängt vom Menschen und vom Rahmen ab – in der Langzeitpflege meist Wochen, auf der Intensivstation manchmal nur eine Schicht.

Wie formuliert man Pflegeziele bei Menschen mit Demenz?

Über beobachtbares Verhalten statt über Aussagen, die der Mensch nicht mehr machen kann: etwa „isst mittags mindestens die Hälfte der Portion“ oder „geht ruhig mit zum Bad“. Ziele, die Orientierung oder Einsicht voraussetzen, sind bei fortgeschrittener Demenz meist nicht realistisch.

Was tun, wenn ein Pflegeziel nicht erreicht wird?

Nach der Ursache suchen: War das Ziel realistisch und gewollt, wurde die Maßnahme wie geplant durchgeführt, war sie geeignet, hat sich der Zustand verändert? Danach Ziel oder Maßnahme anpassen und einen neuen Überprüfungstermin festlegen. Ein nicht erreichtes Ziel ist kein Fehler – eines ohne Konsequenz schon.

Muss ein Pflegeziel immer eine Verbesserung sein?

Nein. Erhaltungs-, Verzögerungs- und Vermeidungsziele sind bei fortschreitenden Erkrankungen und Risiken fachlich richtig. Am Lebensende steht das Wohlbefinden im Vordergrund.

Passend dazu

Pflegeplanung · PESR-Schema mit Beispielen · Formulierungs-Baukasten · SIS & Dokumentation · Prüfungsvorbereitung

Quellen

Neben meiner Erfahrung aus über 20 Jahren Altenpflege und als Praxisanleiter beruht diese Seite auf den folgenden Quellen. Die Links führen zum jeweiligen Original.

  1. Anlage 2 der Pflegeberufe-Ausbildungs- und -Prüfungsverordnung (PflAPrV) – Kompetenzbereich I.1: Pflegeprozessgestaltung mit den Gepflegten aushandeln, Wirksamkeit der Pflege gemeinsam evaluieren
  2. § 4 Pflegeberufegesetz – vorbehaltene Tätigkeiten: Pflegeprozess steuern, Qualität analysieren und evaluieren
  3. Häufige Fragen zum Strukturmodell – Projektbüro EinSTEP: Ziele im Strukturmodell, Evaluation mit individuell festgelegten Terminen (Stand der Antworten: Oktober 2017)
  4. Beispielhafte Pflegeplanung – Universität zu Köln, nach Thieme, I care Pflege, Kapitel 3.3: Kriterien für Pflegeziele, Nah- und Fernziele, Auswertung
  5. Nursing Fundamentals, Kapitel 4.5 Outcome Identification – Open Resources for Nursing (Open RN): SMART, patientenzentrierte Ziele, Zeiträume je nach Versorgungsrahmen (englisch)
  6. Expertenstandard Schmerzmanagement in der Pflege, Aktualisierung 2020 – Ablaufschema – Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP): individuelle Ziele, stabile und akzeptable Schmerzsituation statt fester Grenzwerte
  7. Qualitätsindikator Dekubitus – Beschreibung – Bewertungs- und Kontrollbehörde der Pflegeversicherung Luxemburg (AEC), 2021, nach der Klassifikation von NPUAP, EPUAP und PPPIA: Kategorie 1 = nicht wegdrückbare Rötung bei intakter Haut
  8. There’s a S.M.A.R.T. way to write management’s goals and objectives – Doran G. T., Management Review 70 (11), 1981, S. 35–36 – Ursprung des Begriffs SMART

Tobias Hoffmann – examinierter Pfleger, seit über 20 Jahren in der Altenpflege, Praxisanleiter und Qualitätsbeauftragter. Mehr über mich und woher die Inhalte kommen

Stand: Oktober 2026. Diese Seite wird wöchentlich auf Änderungen geprüft – so arbeite ich.